Geburt
Am Dienstag, 21.11. gingen wir ins AKH und ich bekam eine Tablette, die den Muttermund weich machen sollte. Wir durften dann wieder nach Hause gehen und am Mittwoch in der Früh wieder kommen, da würde die Geburt eingeleitet.
Der Rest des Dienstags war die Hölle - ich hatte Kopfschmerzen und konnte nichts, nicht mal einen Schluck Wasser bei mir behalten. Ich hatte große Angst vor der Geburt. Ich hatte ja keinerlei Vorbereitung gemacht, und hoffte nur, dass es schnell vorbeigeht.
Mittwoch früh fuhren wir ins AKH. Nach kurzer Wartezeit kam die Hebamme Irmgard Knotzer und zeigte uns unseren Geburtsraum. Wir waren ganz fasziniert wie schön und liebevoll dieser Raum eingerichtet war. Es stand ein breites Bett drinnen. Da mir immer noch etwas übel war, machte ich es mir gleich in diesem bequem. Dann wurde mir noch Blut abgenommen und um 10.00 Uhr bekam ich die Tabletten zum Einleiten der Geburt. Um 13.00 und 16.00 sollte ich die nächsten schlucken.
Gottseidank ließ meine Übelkeit nun nach und ich konnte auch ein bisschen schlafen. Tobias war auch die ganze Zeit bei mir, konnte sich sogar ein bisschen zu mir kuscheln.
Immer wieder zog sich im Unterbauch alles zusammen, anfangs schmerzte es nur ein wenig, aber mit der Zeit wurden diese Schmerzen immer heftiger. Wir riefen die Hebamme, um zu fragen, was da so weh tun könnte. Nie im Leben dachte ich daran, dass das schon die Wehen sind. Sie wollte mir noch einen Einlauf machen, musste aber erst nochmal etwas erledigen.
In der Zwischenzeit wurden die Schmerzen fast unerträglich und kamen immer öfter. Dass das die Wehen sein konnten, kam uns eigentlich immer noch nicht in den Sinn - dabei deutete alles darauf hin.
Als unsere Hebamme zu uns kam, meinte sie, sie sieht mal nach, wie weit der Muttermund offen sei und gibt mir dann eine PDA.
Doch nun war keine Zeit mehr für die PDA, denn zwei Minuten später war unser kleiner Paul auf der Welt. Es war ein Wahnsinnsgefühl, zu wissen, dass wir nun - um 12.55 Uhr - unseren Sohn geboren hatten. Tobias durfte die Nabelschnur durchschneiden.
Unsere Hebamme wickelte Paul in Windeln und gab ihn uns. Sie sagte uns, dass wir uns soviel Zeit nehmen könnten, wie wir wollten.
Tobias sagte: "Nun sind wir Eltern!" Wir waren sehr stolz auf unseren Sohn.
Paul war so klein und zerbrechlich und dennoch war alles an ihm dran. Er hatte sogar meinen gebogenen kleinen Finger. Wir haben uns sofort in ihn verliebt. Wir konnten uns gar nicht an ihm satt sehen.
Etwas später kam die Pastoralassistentin, die Paul segnete.
Danach genossen wir einfach die Zeit mit Paul. Wir legten ihn in unsere Mitte und schliefen ein wenig - genauso hatten wir uns das immer ausgemalt. Ich kann gar nicht sagen, wie schön diese Stunden waren. Jetzt wünschen wir sie uns so oft zurück. Paul war uns so nah und es sah immer so aus, als würde er nur schlafen.
So gegen 21.00 Uhr verabschiedeten wir uns von unserem süßen Sohn und gaben ihn der Hebamme. Sie versprach uns, dass wir ihn am nächsten Tag noch einmal sehen konnten.
Ich kam dann in mein Zimmer und kurze Zeit später fuhr Tobias nach Hause. Dies erste Nacht ganz ohne Paul war sehr schmerzhaft für mich. Immer wieder wachte ich auf und musste weinen, in der Früh konnte ich mich gar nicht mehr beruhigen. Ich war froh, als Tobias wieder da war und wir nach einer Ultraschalluntersuchung nach Hause gehen konnte.
Etwas später besuchten wir noch ein letztes Mal unseren kleinen Paul. Wir genossen diese Minuten mit ihm und uns war bewusst, dass wir nie mehr die Möglichkeit haben sollten, ihn zu halten, zu streicheln, ...
Wir gaben Paul einen Kuss und ein Kreuzchen auf die Stirn, sagten ihm, dass wir ihn lieb haben und ihn nie vergessen werden. Tobias gab ihn dann der Hebamme.
An diesem 22. November erlebten wir wohl das Schönste, als auch das Schlimmste, was Eltern passieren kann.
Wir werden diesen Tag mit unserem Kind nie vergessen!