Ein Jahr ... (2007)
Ein Jahr ist es nun her ...
17. November: Dieser Freitag war und ist wohl einer der schlimmsten Tage unseres Lebens. Eigentlich gingen wir ja frohen Mutes zu dieser Doppler-Ultraschall-Untersuchung ins AKH. Am meisten fürchtete ich mich davor, dass die Versorgung wieder schlechter geworden ist und ich womöglich wieder im AKH stationär aufgenommen werde. Etwas Schlimmeres konnte ich mir vor der Untersuchung eigentlich nicht vorstellen.
Leider wäre die stationäre Aufnahme in nachhinein betrachtet wohl sehr schön gewesen.
Wir werden nie die Worte der Ärztin vergessen, die uns mit ernster Miene mitteilte, dass das Herz nicht mehr schlage.
Das konnte doch nicht sein. In diesem Augenblick ist eine Welt zusammengebrochen. Es war so unglaublich und unwirklich.
In einem Moment ist noch alles in Ordnung und im nächsten ist nichts mehr wie es war und je sein wird.
Weinen konnte ich am Anfang noch gar nicht so richtig. Ich glaub, das kam daher, dass ich noch nicht verstanden hatte, was wirklich geschehen war. Nach und nach kamen dann gottseidank die Tränen.
Hätten wir etwas anders machen können? Hätten wir Pauls Tod verhindern können? Diese Fragen werden uns wohl unser Leben lang verfolgen.
21. November: Vor einem Jahr musste ich die ersten Tabletten nehmen – diese sollten den Muttermund weich machen und so auf die bevorstehende Geburt vorbereiten. Es ist mir wahnsinnig schwer gefallen, diese zu nehmen. Irgendwie war alles dann so endgültig – auch wenn es das mit Sicherheit vorher schon war, aber von meinem Gefühl her, war dies nun wirklich das Ende.
Ich hab keine Ahnung, ob es normal ist, aber diese Tabletten verursachten bei mir so starke Übelkeit, dass ich den Rest des Tages im Bett verbrachte und hoffte, dass er irgendwie bald zu Ende sein würde.
Zu der unendlich großen Trauer um Paul kam nun immer mehr die Angst vor der Geburt. Da wir ja eigentlich noch gute drei Monate Zeit haben sollten, haben wir uns damit noch gar nicht beschäftigt. Ich hatte keine Ahnung, was auf mich zukommen würde und das mochte ich gar nicht.
22. November 06: war der wohl schlimmste Tag meines Lebens. Es gibt wohl nichts Schlimmeres als sein Kind zur Welt zu bringen und doch wieder hergeben zu müssen. Die Geburt habe ich als sehr schön in Erinnerung. Es war ein tolles Gefühl, zu wissen, dass ich unser Kind geboren hatte. Auch die Zeit, die wir dann noch mit Paul verbringen durften, haben wir sehr genossen. Wir haben ihn lange und ausgiebig angeschaut, gestreichelt, fotografiert und waren sehr stolz auf unseren Sohn.
Pauls Segnung durch die Pastoralassistentin war sehr schön und doch schmerzhaft zugleich.
Am schlimmsten war dann der Moment, in dem wir Paul hergeben mussten. Wie gerne hätten wir ihn mit nach Hause genommen und ihm ein schönes Leben mit uns geboten.
Der Schmerz und die Trauer waren riesengroß und ich konnte mir in dieser Zeit nicht vorstellen, je wieder glücklich sein zu können.
27. Dezember 06: Der Tag des Begräbnisses. Wir waren froh, dass wir nun endlich einen Platz für Paul hatten. Es war natürlich sehr schlimm, als der kleine Sarg so tief in die Erde gelassen wurde. Er sah so einsam aus. Auf der anderen Seite ist es gut, zu wissen, dass dort der Platz ist, an dem wir Paul immer besuchen können (auch wenn wir wissen, dass er immer in unseren Herzen ist.).
Seither besuchen wir einmal in der Woche Pauls Grab.